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Unser Leseangebot

Weihnachten bei Familie Luther

Christoph Werner

Luthers jüngster Sohn erzählt vom Christfest

Paul Luther, der jüngste Spross der Lutherfamilie, gewährt dem Leser Einblick in sein Leben und das seiner Familie.
Er berichtet von seiner Kindheit in Wittenberg und der Krankheit seines Vaters, von seiner Verwicklung, die ihm als Leibarzt widerfuhren, und von den Intrigen am Gothaer Hof. Reichlich illustriert öffnen sie dem Leser die Tür zur Weihnachtsstube der Familie Luther.

Ludwig I.

Ludwig I.

Florian Russi

Der König, den eine Frau zu Fall brachte

Ludwig I., König von Bayern (1826)
Ludwig I., König von Bayern (1826)

In Erinnerung geblieben ist er vor allem durch seine Affäre mit der Tänzerin Lola Montez. Doch wäre es sehr ungerecht, seine 23-jährige Regierungszeit darauf zu reduzieren, dass er dieser Dame begegnete und ihr offenbar verfallen war. Ohne Ludwig I. würde Bayern und seiner Hauptstadt München vieles von ihren Reizen und Ressourcen fehlen. Er verlegte die Landesuniversität von Landshut nach München, erweiterte und förderte sie, so dass sie zu einer der führenden Hochschulen Deutschlands wurde. Ludwig investierte in die Infrastruktur des Flächenlandes Bayern, förderte die Binnenschifffahrt und ließ den Ludwig-Donau-Main-Kanal bauen, den Vorläufer des heutigen Main-Donau-Kanals. Trotz anfänglicher Bedenken genehmigte er den Bau der Eisenbahnlinie Nürnberg-Fürth, der ersten Strecke für Personen- und Güterverkehr in Deutschland, und ordnete später den Bau weiterer Bahnverbindungen an.

Seinem Einsatz für den Denkmalschutz verdanken wir, dass viele bayerische Gemeinden ihr mittelalterliches Stadtbild bewahrten und deshalb heute noch Attraktionen für Touristen aus aller Welt sind.

Als Bauherr veranlasste Ludwig u. a. die Errichtung der Feldherrenhalle, der Staatsbibliothek der Alten Pinakothek der Ruhmeshalle und der Bavaria-Statue in München sowie der Walhalla und der Befreiungshalle an den Hängen des Donautals. Auch die heute im Nymphenburger Schloss befindliche, viel besuchte Schönheitengalerie mit den Porträts hübscher Frauen (u. a. der Lola Montez) geht auf ihn zurück.

Ludwig I. (um 1860)
Ludwig I. (um 1860)

Ludwig I., der von 1825 bis 1848 als bayerischer König regierte, war ein attraktiver, gebildeter und kunstbegeisterter Mann, der sich nicht nach der Krone gedrängt hatte. Sein jüngerer Bruder Maximilian, Schwager des österreichischen Kaisers Franz I. und Vater der späteren Kaiserin Sissi von Österreich, lebte vor, wie schön es sich ohne die Verpflichtungen des Regierenmüssens auskommen ließ.

Wie sein Vater Maximilian I. war Ludwig katholisch. Seine Mutter, Auguste Wilhelmine Maria von Hessen Darmstadt, war Protestantin. Auch er selbst heiratete eine Protestantin, die Prinzessin Therese von Sachsen-Hildburghausen. Das führte dazu, dass Ludwig vor allem in jungen Jahren in vielen Angelegenheiten zur geistigen und religiösen Toleranz neigte und als ein liberaler Fürst angesehen wurde. Diese Haltung änderte er, als er älter wurde, vor allem aus politischen Interessen. So erneuerte er einen uns heute absurd erscheinenden „Kniebeugenerlass", der im Jahr 1803 aufgehoben worden war, nachdem sich das bis dahin fast rein katholische Bayern um protestantische Gebiete erweitert hatte. Der Erlass verlangte von seinen Soldaten, dass sie bei (katholischen) Fronleichnamsprozessionen und Gottesdiensten vor dem „Allerheiligsten" die Knie beugen mussten.

Ludwig I. im Kreise seiner Familie
Ludwig I. im Kreise seiner Familie

Geboren wurde Ludwig am 25. August 1786 in Straßburg. Mit 39 Jahren wurde er König. Seine Hochzeit mit Prinzessin Therese im Jahr 1810 hat bis heute Folgen für den Tourismus in München. Gegen Ende der Feierlichkeiten wurde auf dem Gelände, das später nach der Braut „Theresienwiese" genannt wurde, ein Pferderennen veranstaltet. Dieses wurde in den folgenden Jahren wiederholt und es entwickelte sich daraus das Münchner Oktoberfest, das heute als größtes Volksfest der Welt gilt und in jedem Jahr Millionen Besucher nach München lockt.

Ludwig hatte Zeit seines Lebens viele Affären, auch nachdem er Therese geheiratet hatte. Mätressenwirtschaft war in den Herrscherhäusern üblich. Therese wird von ihren Eltern und Erziehern darauf vorbereitet gewesen sein. Dennoch liebte sie ihren Mann, hatte 9 Kinder mit ihm und war ihm eine wichtige Ratgeberin. Beide hatten ihren Anteil daran, dass ihr zweiter Sohn, Otto, im Jahr 1832 König von Griechenland wurde.

Im Jahr 1846 wurde die irische Tänzerin Lola Montez Geliebte des inzwischen 60-jährigen Königs. Er machte sie zur Gräfin von Landsfeld, bezahlte mit hohen Summen ihren aufwendigen Lebensstil und duldete viele ihrer Eskapaden. Sie war ein Biest, spielte die Macht, die sie über ihn ausübte auch nach außen erkennbar aus und scheute auch nicht davor zurück, den König lächerlich zu machen.

Lola Montez (1851)
Lola Montez (1851)
Ein groteskes Beispiel für die Launenhaftigkeit der Montez und die Hörigkeit Ludwigs ihr gegenüber hat der Historienschreiber Karl Eduard Vehse aufgezeichnet. Danach besuchte Lola eines Tages einen Modesalon und wurde dort angepöbelt. Ein junger Leutnant mit Namen Nußbaumer stellte sich, ohne sie zu kennen, schützend auf ihre Seite. Danach verlangte Lola Montez von Ludwig, den jungen Mann zum Hauptmann zu befördern, was ihr auch gewährt wurde. Gleichzeitig forderte sie Nußbaumer auf, in ihrer Wohnung vorstellig zu werden. Als der nicht zum vorgesehenen Termin erschien, rastete Lola aus, eilte zur Wohnung Nußbaumers und zertrümmerte dort einen Spiegel und mehrere Möbelstücke. Dann ließ sie sich zum König kutschieren und setzte durch, dass der neu ernannte Hauptmann aus München strafversetzt wurde. Wieder in ihrer eigenen Wohnung angekommen, fand sie dort das Billet von Nußbaumer, der ihr inzwischen seine Aufwartung gemacht haben wollte. Sofort legte sich ihr Zorn. Sie fuhr zurück zum König und verlangte, dass er die Versetzung rückgängig machen sollte. Der fürchtete, sich lächerlich zu machen, wenn er einen gerade erst gegebenen Befehlt ohne triftigen Grund wieder umstoßen würde. Er ließ seinen Kriegsminister zu sich kommen, der die Bedenken Ludwigs teilte. Währenddessen hatte sich Lola hinter einem Umkleidespiegel versteckt. Als sie mithörte, dass der Minister nicht dazu geneigt war, Nußbaumers Versetzung zu widerrufen, streckte sie einen ihrer Füße unter dem Spiegel hervor. Der Minister sah es und ihm wurde klar, dass seine ablehnende Haltung zwecklos war.
Ludwig I. König von Bayern. Denkmal in der von ihm errichteten Walhalla in München
Ludwig I. König von Bayern. Denkmal in der von ihm errichteten Walhalla in München

Diese und ähnliche Szenen führten dazu, dass die Montez sich bei der Münchner Bevölkerung immer verhasster machte und Ludwig, der nicht von ihr lassen wollte, auf zunehmenden Widerstand stieß. Im Revolutionsjahr 1848, in dem in Deutschland und Europa viele Bürger für mehr Freiheitrechte kämpften und auf die Barrikaden gingen, war es dann soweit. Ludwig wurde gezwungen, Lola außer Landes zu verweisen. Die dreiste Dame kehrte allerdings wieder zurück und suchte den König umzustimmen.

Unter dem Druck seiner Regierung und des Bürgertums verzichtete der nun zu Gunsten seines Sohnes Maximilian II. auf seinen Thron. Von ärgerlichen Regierungsaufgaben befreit, lebte Ludwig noch 20 Jahre im Einklang mit seinen künstlerischen und literarischen Interessen. Mit Lola stand er noch etwa ein Jahr lang in Verbindung, bis er erfuhr, dass sie ihn mit einem Studenten betrogen hatte, eine neue Affäre eingegangen war und 1849 - obwohl sie noch mit ihrem ersten Ehemann verheiratet war - einen jungen britischen Offizier ehelichte. Ludwigs Ehefrau Therese starb 1854 an den Folgen einer Cholera-Epidemie. Bis zu ihrem Lebensende blieb, über alle Eskapaden des Ehemanns hinweg, sich das Paar verbunden. Gegenüber seinen Kindern und anderen betonte Ludwig, dass er keine bessere Frau und Mutter als sie hätte finden können.

Ludwig starb am 28. Februar 1868 in Nizza, wo er sich für den Winter in eine Villa eingemietet hatte.

 

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- Vorschaubild: Ludwig I., König von Bayern. Foto des Königlichen Hofphotographen Joseph Albert um 1860
- Bild oben rechts: Ludwig I. König von Bayern (1826). Gemälde von Joseph Karl Stieler. Heutiger Standort: Neue Pinakothek München.
- Bild Mitte links: Ludwig I., König von Bayern (um 1860), Fotografie von Franz Hanfstaengl
- Bild Mitte rechts: Ludwig I. von Bayern im Kreise seiner Familie (ca. 1830). Quelle: http://www.adels-archiv.com

- Bild unten links: Ludwig I., König von Bayern, im Kreise seiner Familie. Quelle: Wikimedia Commons
- Bild unten rechts: Ludwig I. König von Bayern. Denkmal in der von ihm errichteten Walhalla. Fotograf: Christian "VisualBeo" Horvat. Lizen: CC-BY-SA 3.0. via Wikimedia Commons
(Fotos bearbeitet von Rita Dadder)