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Christoph Werner

Schloss am Strom
Roman


Schinkel kämpft in seinen Fieberträumen um die Vollendung seines Bildes "Schloss am Strom". Er durchlebt auf seinem Krankenbett noch einmal sein erfülltes und von krankmachendem Pflichtgefühl gezeichnetes Leben und die Tragik des Architekten und Künstlers, der sich zum Diener des Königs machen ließ

Ludwig Feuerbach

Ludwig Feuerbach

Ulrike Unger

Der in Landshut am 28. Juli 1804 geborene Philosoph Ludwig Feuerbach verbrachte die meiste Zeit seines Lebens sehr zurückgezogen. Ganz so, wie es der stereotypen Vorstellung vom weltabgewandten Philosophen gelegen käme. Zeitgenossen berichten von seiner Genügsamkeit, seiner Ordnungsliebe, davon, wie Feuerbach die Tätigkeiten täglicher Arbeit, das Bettenmachen oder Ofenheizen, sehr bodenständig, ganz in die eigenen Hände nimmt.

Später gefesselt vom Hegelschen Geist beginnt er als junger Mann zunächst in Heidelberg Theologie zu studieren, wechselt aber schnell zur Philosophie, da ihm die Theologie in ihren Grundvorstellungen zu eng argumentiert. Seine Promotion realisiert er an der Erlanger Universität und wird hier Dozent. Da ist er 25 Jahre alt. Jedoch ist er ein schlechter Redner, der sich mehr dem Schreiben zugetan fühlt. Einmal wird er während seiner Dozentur in Misskredit gebracht, als er eine Schrift mit „Gedanken über Tod und Unsterblichkeit" veröffentlicht. Wie er danach seiner Schwester berichtet, halte man ihn für einen grässlichen Freigeist, gar einen Atheisten, der im Verdacht stehe, der leibhaftige Antichrist zu sein. Eine weitere universitäre Laufbahn wird damit unmöglich.

Die Ablösung von Hegel findet danach sehr schnell statt, denn Feuerbach fängt an Überlegungen anzustellen, wo die Ursprünge des menschlichen Glaubens liegen und bemerkt, dass sich die Philosophie seit ihren Anfängen stets auf ein höheres Wesen, eine absolute Welt der Ideen bezogen hat, was Feuerbach im Ansatz für falsch hält. Jetzt entstehen die Grundlagen einer anthropologischen Philosophie, deren Urheber Ludwig Feuerbach ist. Sein größtes Anliegen ist es, „den Menschen zur Sache der Philosophie zu machen."

Feuerbachs Abfassung „Das Wesen des Christentums", die er 1841 herausgibt, ist so gänzlich verschieden von den bisherigen philosophischen Überlegungen, dass es ihm sprichwörtlich über Nacht gelingt eine Revolution in der Philosophie heraufzubeschwören. Eine demokratiehungrige, nach politischen und gesellschaftlichen Veränderungen gierende junge Anhängerschaft schart sich in den Wirren der 1848er Jahre um ihn, saugt das Gedankengut dieser Abhandlung in sich auf, verbreitet es weiter. Feuerbach erlebt seine produktivste Zeit, er wird von Studenten zu Vorlesungen nach Heidelberg eingeladen, hält Vorträge, überlegt sogar nach Paris zu gehen oder nach Amerika.
Er zieht sich aber schon bald aus dem revolutionären Umfeld zurück, verzagt ob der Ziele, die man in der politischen Umbruchsphase zu realisieren wagte. Mit nur 68 Jahren stirbt Ludwig Feuerbach 1872 in der Nähe von Nürnberg. Die letzten Jahre hatten sich schwer auf sein Gemüt gelegt. Nicht auszumerzende Zweifel hatten sich seiner bemächtigt, am Ende plagten ihn finanzielle Sorgen. Er wurde das Gefühl nicht los, nichts geleistet zu haben, fühlte sich unnütz. Aus zunehmender Apathie und Dumpfheit fand er nicht mehr heraus.

Feuerbach erhob im Zuge seines Nachdenkens, im Gegensatz zu Generationen von Philosophen vor ihm, anstelle der Vernunft die Sinnlichkeit als Mittel der Erkenntnis auf den höchsten Posten. Und wagte zu behaupten: „Die Sinnlichkeit ist das Wesen des Menschen."
Er forderte eine Philosophie, die sich von christlichen Vorstellungen löst, indem sie den Menschen und dessen unmittelbare Wirklichkeit konsequent ins Zentrum des Denkens stellt. Seine Projektionstheorie zeichnet sich durch eine klare Abkehr von mythischen Elementen aus, denn nach Feuerbach spiegelt sich in der Art und Weise wie der Mensch auf die Welt blickt, nur sein eigenes Wesen. Er kann daher das Göttliche lediglich mit Wesenszügen seiner eigenen Gattung ausstatten. Gott vereint in sich die nach Außen getragenen positiven Eigenschaften des Menschen, er ist die idealisierte Erscheinung des menschlichen Wesens. In Gott erkennt der Mensch sich demnach selbst. Wenn Gott also als gut verehrt wird, kann auch der Mensch sich selbst als gut betrachten.

Es ist erstaunlich, wie ungeheuer modern und fortschrittlich Ludwig Feuerbachs Überlegungen vor dem Hintergrund gegenwärtiger Wirklichkeitswahrnehmung sind.

 

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Link zur vertiefenden Beschäftigung mit Feuerbachs Hauptwerk:
http://de.wikipedia.org/wiki/Das_Wesen_des_Christentums_%28Feuerbach%29

Quellen:
• Wilhelm Weischedel: Die philosophische Hintertreppe. Die großen Philosophen in Alltag und Denken. München: dtv 2006.
• http://de.wikipedia.org/wiki/Ludwig_Feuerbach

Bild:  August Weger "Ludwig Feuerbach"; gemeinfrei, wikipedia

 

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