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Friedrich Rückert

Ulrike Unger

Dichter, Orientalist und Sprachgenie aus Schweinfurt

Geburtshaus Friedrich Rückerts in Schweinfurt
Geburtshaus Friedrich Rückerts in Schweinfurt

Was den Umfang seines Werkes angeht, ist Friedrich Rückert ein Ausnahmedichter. Bis zu seinem Tod entstehen durch seine Hand um die 10 000 Gedichte, was ihn als hoch produktiven Schriftsteller auszeichnet. Der größte Teil dieser Texte wartet bis heute auf seine Veröffentlichung.

Am 16. Mai 1788 wird der spätere Orientalistik-Professor in Schweinfurt geboren. Seinen Spott über die unglücklich empfundene Namenswahl seiner Geburtsstadt wird Friedrich Rückert später in einem seiner Gedichte niederschreiben:

 

„Kann man eine Stadt erbauen,
Um den Namen dann
Ihr zu geben, den mit Grauen
Man nur singen kann?
Hättest Mainfurt, hättest Weinfurt,
Weil du führest Wein,
Heißen können, aber Schweinfurt,
Schweinfurt sollt' es sein!"

1790 und 1791 kommen der einzige Bruder Heinrich und die Schwester Sabine Sophie zur Welt. Die vier jüngeren, später geborenen Schwestern werden Rückert alle nicht überleben. 1792 zieht die Familie nach Oberlauringen. Der Vater arbeitet hier als Amtmann. Von 1802-1805 besucht Rückert das Schweinfurter Gymnasiums Gustavianum und schließt es mit sehr guten Endnoten ab. Danach beginnt er in Würzburg das Studium der Jurisprudenz (Rechtswissenschaft) und belegt außerdem „Griechische Mythologie" und „Naturphilosophie".

Der Dienstsitz des Vaters wird jetzt Seßlach, wo die Familie fortan lebt. In den Semesterferien entstehen die ersten Gedichte. Rückert hört nun auch Vorlesungen zu hebräischer Sprache und in Heidelberg bei Johann Heinrich Voß zur Metrik. Dieser gibt ihm entscheidende Impulse für Rückerts anstehende Sprachstudien. 1811 habilitiert der Dichter in Jena mit einem aufsehenerregenden Thema: Er diskutiert die Wurzeln des griechischen Geisteslebens und führt sie auf orientalische Ursprünge zurück. Damals eine schier unerhörte Theorie. Außerdem fordert er die Erhebung des Philologen in den Rang eines Philosophen.

1813 tritt Rückert der „Tafelrunde" des Christian Truchseß von Wetzhausen auf der Bettenburg bei, der auch berühmte Köpfe wie Jean Paul, Johann Heinrich Voß, Friedrich de la Motte Fouqué oder Gustav Schwab angehören. Es entstehen die „Fünf Märlein zum Einschläfern für mein Schwesterlein" für die jüngste Schwester Maria Ludovika und seine „Geharnischten Sonette" gegen die Herrschaft Napoleons, die er unter dem Pseudonym Freimund Reimar in Heidelberg publiziert. Christian Truchseß von Wetzhausen ebnet Rückert finanziell und durch seine reichen Kontakte den Weg in den Literaturbetrieb. Ihm ist es zu verdanken, dass seine Texte in namhaften Blättern veröffentlicht und besprochen werden. Als Friedrich Rückert ab 1815 in Stuttgart in der Redaktion des „Cotta´schen Morgenblattes für gebildete Stände" eine Anstellung findet, erregt er im ganzen Königreich Württemberg Aufsehen durch seine revolutionäre Kleidung und seine Haartracht. Er entgeht nur beinah einer Ausweisung, was der Freund Karl August von Wangenheim und Kronprinz Wilhelm jedoch abwenden können. In Stuttgart schließt Rückert zudem Bekanntschaft mit Ludwig Uhland. Bei Verleger Cotta findet er einen Unterstützer für seine geplante italienische Reise. Auf dem Rückweg von dieser, erhält er 30-jährig in Wien die Gelegenheit zu Studien des Persischen und Arabischen durch Joseph von Hammer-Purgstall. In dieser Zeit entwickelt sich auch Rückerts lebenslange Freundschaft zu Carl Barth, den er seinen „lieben Freund und Kupferstecher" nennt, was als Redewendung in die deutsche Sprache eingegangen ist.

1821 heiratet Friedrich Rückert seine Frau Luise Wiethaus-Fischer, mit der er zehn Kinder hat. In der Trauer um seine beiden „Lieblingskinder" Luise und Ernst, die im Winter 1833/34 kurz hintereinander an Scharlach sterben, widmet er ihnen einen Zyklus von 428 Gedichten, die als die „Kindertodtenlieder" bekannt werden. 1838 erwirbt Rückert das Landgut Neuses bei Coburg, 1826 wird er Orientalistik-Professor in Erlangen. 1841 folgt er einem Ruf an die Berliner Universität.

Friedrich Rückert 1864
Friedrich Rückert 1864

In vergleichsweise rasanter Folge erlernt Rückert eine Unmenge Fremdsprachen, darunter auch solche, die für die meisten Europäer der Zeit als exotische Sprachen gelten, wie Syrisch, Berberisch, Tamil, Türkisch, Malaiisch oder Arabisch. Zudem war er ein begnadeter Orientwissenschaftler, der erstmals versuchte, die spezifische Reimform der Suren des Korans adäquat ins Deutsche zu übertragen, was weder vor noch nach ihm in dieser Weise versucht wurde. Rückert starb, bevor er den gesamten Koran übersetzen konnte. Eine weitere Übersetzung berühmter Werke aus dem arabischen Kulturkreis ist die Sammlung ältester arabischer Volkslieder, der Hamasa. Einem großen Teil von Rückerts Nachlass liegt die Interpretation und Aneignung orientalischer Stoffe zugrunde, wie etwa seine Gedichte „Östliche Rosen", welche der persischen Poesie nachempfunden sind. Oder: Rostem und Suhrab, eine Heldengeschichte in 12 Bücher sowie Bücher morgenländischer Sagen und Geschichten. Friedrich Rückert ist es auch, der die arabische Versform der Ghasele populär macht, die vor ihm bereits bei Friedrich Schlegel beliebt war. Und er überträgt die Gedichte des mystischen persischen Dichters Dschelaladdin Rumi.

Nach seinem Rückzug auf das Landgut Neuses, - Rückert hatte 1849 um seine Pensionierung vom Berliner Universitätsdienst gebeten - führt er seine Sprachstudien bis ins hohe Alter weiter. Sein „Liedertagebuch" füllt er mit tausenden Gedichten. Als Friedrich Rückert am 31. Januar 1866 im Alter von 77 Jahren an einem Darmkrebsleiden stirbt, wird er unter großer Anteilnahme der Bevölkerung bestattet. 

*****

 

Bildquellen: 

 

Friedrich Rückert 1788-1866 deutscher Dichter.
nach einem Gemälde von B. Semptner, herausgegeben 1876 von Sophus Williams Verlag, gemeinfrei

Geburtshaus Friedrich Rückerts in Schweinfurt, Presse03 - Eigenes Werk, Wikipedia, CC BY-SA 3.0

Friedrich Rückert, Stahlstich von seinem „lieben Freund und Kupferstecher" Carl Barth nach einer Vorzeichnung aus dem Jahre 1843, gemeinfrei 

Friedrich Rückert, Bildnis von Bertha Froriep 1864, gemeinfrei

 

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