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André Barz
Kennst du E.T.A. Hoffmann?

"Erlaubst du, geneigter Leser, ein Wort? Hättest du nicht Lust auf einen Tee oder eine heiße Schokolade? Vielleicht magst du aber auch lieber einen Punsch, so wie ich?"

Dieses Buch, versehen mit allerlei Bildern und Zeichnungen, macht es leicht E.T.A. Hoffmann kennenzulernen. Das Beste daran ist, der "erste Fantasy-Dichter" erzählt ganz persönlich sein Leben, davon, wie er eigentlich Musiker werden wollte und dann doch Schriftsteller geworden ist, obwohl ihn das nie interessiert hat, und von seinen Erfahrungen mit der Liebe. Nebenbei gibt er einige seiner Märchen und Erzählungen zum besten.

Die Saalnixe

Die Saalnixe

Carolin Eberhardt

Oder: Die Geschichte vom Schlitzöhrchen

Geschichten über Nixen gehören zu dem deutschen Sagenschatz. Allerorts in den deutschen Landen sind Sagen über die intriganten, aber wunderschönen Wasserwesen bekannt, deren Lebenszweck nur daraus zu bestehen scheint, die Menschen zu ärgern und zu täuschen. Auch in den fränkischen Gebieten sind derlei Legenden bekannt, von welcher die nachfolgende Erzählung berichten soll.

Unter den Bewohnern des nördlichen Frankens wurde die Saalnixe mit dem liebevollen Spitznamen Schlitzöhrchen oder Spitzöhrchen versehen. Die Sage berichtet, dass sich die Nixe meist im Saal- und Streugrunde zwischen Mellrichstadt bis hin nach Neustadt und sogar weiter den Talgrund entlang blicken ließ. Es bereitete ihr sichtlich Freude, die vorübergehenden Wanderer zu necken oder sie in verschiedenen Truggestalten in die Irre zu führen.

Eines Abends begab sich ein junger Mann spät auf dem Weg an der Saale entlang. Im Mondenschein setzte er sich nach einiger Zeit nieder, um sich auszuruhen. Plötzlich erschien ihm die Saalnixe als ein junges schönes Mädchen, welches aus dem Wasser emporstieg. Sie erweckte in solchem Ausmaß die Begierde und Leidenschaft des jungen Wanderers, dass dieser Alles um sich her vergaß und nur noch danach strebte, die Nixe zu erreichen. Während er aber weiterhin vergeblich versuchte, sich ihr anzunähern, war es darüber Morgen geworden. Und ebenso plötzlich wie das Mädchen ihm erschienen war, verschwand sie nun wieder in den Fluten. Mit dem Verschwinden der Nixe erwachte der Verstand des Knaben. Zu spät wurde er gewahr, wie weit er sich von seinem eigentlichen Weg durch die List der Nixe entfernt hatte.

Der Spitzname Schlitzöhrchen erklärt sich mit dieser Begebenheit nahezu von selbst. Hatte doch die Saalnixe wahrlich ihre Freude daran, ihr Unwesen und ihren Schalk mit den Männern zu treiben und diese in die Irre zu führen.


*****

In Anlehnung an: Schöppner, Alexander (Hrsg.): Sagenbuch der Bayrischen Lande: aus dem Munde des Volkes, der Chronik und der Dichter, Band 3, München: Verlag der Ratth. Rieger'schen Buchhandlung, 1853; Quelle der Sage: mündlich überliefert.

Vorschaubild: Märchen (Ritter und Nixe), Erstellungsjahr unbekannt, Urheber: Franz Hein via Wikimedia Commons Gemeinfrei.

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