Bayern-Lese

Gehe zu Navigation | Seiteninhalt
Bayern-Lese
Unser Leseangebot

Christoph Werner

Schloss am Strom
Roman


Schinkel kämpft in seinen Fieberträumen um die Vollendung seines Bildes "Schloss am Strom". Er durchlebt auf seinem Krankenbett noch einmal sein erfülltes und von krankmachendem Pflichtgefühl gezeichnetes Leben und die Tragik des Architekten und Künstlers, der sich zum Diener des Königs machen ließ

Bayerisches Weihnachten

Bayerisches Weihnachten

Carolin Eberhardt

In sehr vielen Orten um Bamberg und in einigen Stadteilen Bambergs selbst erschien in früheren Zeiten vor Weihnachten die eiserne Bertha und nach Weihnachten der Hel-Niclos. Die eiserne Bertha ist in anderen Gebieten auch als wilde Bertha oder Bildabertha bekannt. Hinter dieser Figur verbirgt sich ursprünglich eine der früheren heidnischen Gottheiten, nämlich keine geringere als die Frau des germanischen Göttervaters Odin oder auch Wotan. In verschiedenen Regionen Deutschlands, aber auch in anderen europäischen, insbesondere osteuropäischen, Ländern, tritt sie unter verschiedenen Namen auf. So lässt sie sich in Thüringen als Frau Holle oder Frau Holla nachweisen. Die eiserne Bertha erschien mit struppigen Haaren, bekleidet mit Kuhhaut. Ebenso wie Hel-Niclos, welcher in anderen Gegenden als Knecht Ruprecht oder Herrscheklas bekannt ist, ist auch die eiserne Bertha eher von Kinder erschreckender Natur und wirkt in ihrem Auftreten wenig gutmütig. Hel-Niclos hat eine ehrfurchterregende Gestalt. Er ist in Erbsenstroh gehüllt und scheint ein ungemütlicher Geselle zu sein. Nachts trat er wohl in die Stuben, schüttelte seine Ketten und züchtigte die unfolgsamen Kinder mit der Rute. Dabei brüllte er markerschütternd und warf mit Äpfeln und Nüssen um sich, die doch nach heutigem Verständnis als gut gemeinte Gaben liebevoll überreicht werden. Manchmal flogen dabei auch Schuhe, Strümpfe oder ähnliches. Alles Geschenke, die der Unhold, trotz seines bedrohlichen Auftretens, unter die Kinder brachte. Die eiserne Bertha war in ihrem Erscheinen nur insofern gutmütiger, als dass sie ihre Gaben gleich zur Tür oder zum Fenster in die Häuser warf, anstatt den Kindern durch ihr Eintreten in das Haus Angst zu machen.

Am Vortag des Heiligen Abends war es in dieser Region Sitte, dass die Jungen und Mädchen in den Dörfern umherzogen. In der Mitte der Mädchen befand sich ein weiß gekleidetes Mädchen, dessen Gesicht mit einem ebenfalls weißen Tuch verhüllt wurde. Der Kopf des Kindes war mit Rosen und Goldbändern verziert. Es stellte das Christkind dar. Die Jungen hingegen führten einen vermummten Jungen umher, welcher Näckeln genannt wurde. Das Christkind brachte zwar auf dem Rundgang so manche schöne Bescherung in die Häuser, allerdings verteilte es ebenso Rutenhiebe an die Ungehorsamen unter den Kindern. Während es die braven Kinder lobte, so ermahnte es die ungezogenen. Zu letzteren gesellte sich dann auch der Näckel hinzu, welcher in dem Haus dann wütete, nach den ungehorsamen Kindern schlug und sich ganz und ganz ungebührlich verhielt. Nach getaner Pflicht verließen Christkind und Näckel das Haus und zogen zum nächsten.  

In Oberfranken, speziell in der Nähe von Staffelstein, backten die Menschen verschiedene Tiere aus Kuchenteig, insbesondere den sogenannten Hauswolf, einen kleinen Hund. Brach nun ein Feuer im Haus aus, so warf man das erwähnte Backwerk in die Flammen, um diese zu löschen.

 

*****

Textquelle:

Reder, Heinrich von: Wotan’s Heer: Eine Märe aus dem Odenwald, Dresden und Leipzig: E. Pierson’s Verlag, 1892.

Panzer, Friedrich: Bayerische Sagen und Bräuche: Beitrag zur Deutschen Mythologie, , erster Band, München: Christian Kaiser, 1848.

Vorschaubild:

weihnachten-münchen-rathaus-81922, 2012, Urheber: FaceGuard via Pixabay CCO.

Weitere Beiträge dieser Rubrik

Die Rauhnächte
von Isabell Meseck
MEHR
Wolfsauslassen
von Andreas Michael Werner
MEHR
Werbung:
Unsere Website benutzt Cookies. Durch die weitere Nutzung unserer Inhalte stimmen Sie der Verwendung zu. Akzeptieren Weitere Informationen