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Albrecht Franke
Christa Johannsen – ein erfundenes Leben
Ein Schriftstellerinnenleben im 20. Jahrhundert

Die Schriftstellerin Christa Johannsen (1914–1981) war in der DDR etabliert: mit zahlreichen Veröffentlichungen, diverse Auszeichnungen, der Mitarbeit im Schriftstellerverband und in der CDU. Sie engagierte sich für eine Literatur ohne Bevormundung und den literarischen Nachwuchs, leitete »Zirkel schreibender Arbeiter« und in den frühen 1970er Jahren die Gruppe »Junge Prosaisten«.
Einer ihrer damaligen Schüler, Albrecht Franke, hat ihrem Leben nachgespürt und dabei festgestellt, dass er seine einstige Lehrerin überhaupt nicht kannte. Er stößt u.a. auf Texte aus der NS-Zeit, einen höchst zweifelhaften Doktortitel, politische Lobhudeleien in der DDR und unter Pseudonym veröffentlichte Gegenreden im Westen.
Franke entwickelt eine ebenso ungewöhnliche wie typische Biografie des 20. Jahrhunderts. Einen tragikomischen Lebenslauf zwischen Verbergen und Anpassen, aber ebenso zwischen Aufmucken und unkonventionellem Lebensstil. So entsteht nicht nur die Erzählung eines Lebens, sondern eine Geschichte der Literatur des früheren Bezirkes Magdeburg, der DDR und Deutschlands.

Bamberger Fenstersturz

Bamberger Fenstersturz

Werner Schwanfelder

Unglücksfall, Selbstmord oder Mord?

Nicht nur Prag hat seinen Fenstersturz, Bamberg auch. Beweis: eine Gedenktafel an der Ostseite der Neuen Residenz. Sie wird oft übersehen. Louis-Alexandre Berthier (1753–1815) fand hier den Tod.

Berthier war von 1805 bis 1814 Generalstabschef Napoleons. Als dieser auf Elba verbannt wurde, wechselte Berthier auf die Königsseite. Bei Napoleons Rückkehr von Elba, saß sein Ex-Marschall zwischen allen Stühlen. Da er eine bayerische Prinzessin geehelicht hatte, floh er nach Bamberg. Doch dort ergriff ihn das Unheil. Unter mysteriösen Umständen stürzte er aus dem oberen Stockwerk der Neuen Residenz zu Tode. War es ein Unglücksfall, Selbstmord oder gar Mord? Dubiose Augenzeugen wollen beobachtet haben, wie maskierte Männer ihn aus dem Fenster geworfen hätten. Bewiesen hingegen ist nichts. Und auch nicht, dass Napoleon die Schlacht von Waterloo verlor, weil sein tüchtiger Marschall nicht mehr an seiner Seite kämpfte.

Gewiss ist jedoch, dass dieser Fenstersturz in die Bamberger Geschichte einging. Zum Gedenken brachte man sogar eine Tafel an. Aber gerade diese Tafel weckt die Zweifel an dem Ereignis. Wahrscheinlich wurde sie falsch angebracht: Nicht vom 6. Fenster, sondern vom 9. Fenster des Obergeschosses von rechts sprang der Marschall oder „wurde er gesprungen“. Im Übrigen stellt sich die Frage, warum Berthier überhaupt am Fenster stand und somit leicht überwältigt werden konnte. Zeitgenossen vermuteten, dass er nach russischen Truppen Ausschau hielt, die von Osten gekommen seien – und fanden die Erklärung glaubwürdig.


Weitere Informationen:

Gedenktafel an der Neuen Residenz

von der Residenzstraße aus gesehen


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Textquelle:

Schwanfelder, Werner: Bamberg: Die 99 besonderen Seiten der Stadt, Reiseführer, Halle (Saale): Mitteldeutscher Verlag, 2015.

Bildquelle:

Ebd.

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