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Krabat

Florian Russi | Andreas Werner

Krabat ist die bekannteste Sagenfigur aus der Oberlausitz. Das Müllerhandwerk und das Zaubern hatte er vom "schwarzen Müller" erlernt, von dem man gemunkelte, dass er mit dem Teufel im Pakt stand. Irgendwann musste es zum Machtkampf zwischen Meisetr und Schüler kommen.

Die Hauptwirkungsstätte Krabats war die Mühle in Schwarzkollm, einem Dorf, das heute zu Hoyerswerda gehört. Die Mühle besteht noch und hat nach umfänglicher Restaurierung nichts von ihrer Romantik und Magie verloren. Seit 2012 finden hier die Krabat-Festspiele statt.

Der weiße Geist zu Nürnberg

Der weiße Geist zu Nürnberg

Carolin Eberhardt

Vor langer Zeit, in etwa um das Jahr 1672, lebte in Nürnberg ein Goldschmied mit seiner Frau und ihren sechs Kindern. Doch war dies anscheinend ganz und gar keine gewöhnliche Familie, wie man sie zu dieser Zeit überall in Nürnberg kennen gelernt hätte. Denn die Frau des Goldschmieds hütete ein unheimliches Geheimnis. Ihr Familienerbe hatte ihr einen Geist mit an die Hand gegeben, der sie stets vor drohenden Gefahren warnte. Keiner der anderen Familienmitglieder wusste etwas von diesem Wesen, denn die Frau hütete ihr Geheimnis sehr streng. Auch der Geist achtete stets darauf, dass die Frau sich allein in einem Zimmer aufhielt, bevor er sie ansprach. So trug es sich einst zu, dass der Geist ihr in einem stillen Moment sagte: „Werte Frau des Goldschmieds, ich muss euch klagen und sagen, dass Ihr nur um Haaresbreite einem elenden Schicksal entgangen seid. Ein Körnchen in meiner Sanduhr hat es mir erzählt. Zuvor hat es ein Loch in das Gläschen geklopft, um euch zu Hilfe zu eilen.“ Die Frau war darüber sehr erregt, doch trug sie die Prophezeiung dennoch mit Fassung. Eine Woche war seitdem vergangen, als die Frau in ein gefährliches Fieber fiel, welchem sie aber glücklich entkam und ganz davon genesen konnte.

Ein anderes Mal warnte der Geist sie davor, dass sie das Haus nicht verlassen solle, da sie sich sonst in große Gefahr begebe. Sie hatte sich fest vorgenommen, dem Rat ihres Schutzgeistes Folge zu leisten, doch blieb ihr letztlich keine andere Wahl. Die Speisekammer verlangte danach, dass sie das Haus verlassen und neue Speisen einkaufen musste. Doch wie bereute sie ihre Nachsicht. Denn kaum hatte sie das häusliche Tor verlassen, so kam eine eilige Kutsche die enge Gasse daher geprescht, schwankte gefährlich hin und her und als sie sich auf der Höhe der Goldschmiedsfrau befand, bäumte sich eines der großen angespannten Ackergäule vor ihr auf und traf sie mit dem kräftigen Pferdefuß am Kopf, so dass sie schwindelnd und ohnmächtig zu Boden ging. Dieser Unfall machte ihr noch viele Wochen zu schaffen, doch sagte der Arzt, sie hätte großes Glück gehabt. In anderen, ähnlichen Fällen, wären die Betroffenen sofort gestorben.

Während sie sich von der Begegnung mit dem Pferd erholte und einige Zeit auch am Tag das Bett hüten musste, so konnte sie nachts nicht schlafen. Stattdessen nutzte sie die schlaflosen Stunden, um mit dem Geist ihrer Urahnen sehr schöne andächtige Lieder zu singen. Ihr Mann der Goldschmied aber hatte einen gesegneten Schlaf und merkte nichts von solchen Sachen. Nachdem sie nun mehr als zuvor Zeit mit dem Geist verbracht hatte, wurde sie neugierig, wie er denn wohl aussehen mochte. Noch nie hatte sie ihn je zu Gesicht bekommen, immer war er ihr nur als körperloses, unsichtbares Wesen erschienen.

Es ließ ihr keine Ruhe, bis sie den Schutzgeist nun endlich darum bat, dass er sich ihr doch einmal zeigen möge. Dieser versuchte ihr es noch lange auszureden,  bis er schließlich doch nachgab, nicht ohne eine Warnung auszusprechen: „Liebe Frau, Ihr werdet eure Neugier leider zu spät erst bereuen.“ Wenige Tage später, als die Frau des Goldschmieds sich allein in der Stube aufhielt, erschien ihr in der Ecke des Raumes plötzlich ohne Vorwarnung ein weißgekleidetes Kind, welches eine Sanduhr in der Hand trug. So schnell wie es gekommen war, verschwand es auch wieder. Kurz darauf verfiel sie in eine schwere Erkrankung – der Geist aber hatte sie für immer verlassen.

 

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Bildquellen: 

Vorschaubild: A boy appearing to two girls as a ghost. Stipple engraving. Iconographic Collections; bereitgestellt von: via Wikimedia Commons CC-BY 4.0.

sanduhr-timer-2027541, 2017, Urheber: OpenClipart-Vectors via Pixabay CCO.

Sanduhr als Symbol der Vergänglichkeit, Altstadt Zürich, 2012, Urheber: Evergreen68 via Wikimedia Commons CC BY-SA 3.0.

 

Sage gefunden in: Schöppener, A.(Hrsg.): Sagen der Bayerischen Lande: Aus dem Munde des Volkes, der Chronik und der Dichter, Neue Volksausgabe in 3 Bänden, I. Band, München: Rieger'sche Universitäts-Buchhandlung, 1874; neu erzählt.

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