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Der schwere Weg zum großen Dichter

Der junge Rilke wächst in Prag auf undentwächst den bürgerlichen Vorstellungen seiner familiären Umgebung. Auf der stetigen Suche nach sich selbst, findet er Halt im Schreiben und schreibt viel. "Der schwere Weg zum großen Dichter" ist hier verständlich und interessant dargestellt.

Prinzessin Anna auf der Veste Coburg

Prinzessin Anna auf der Veste Coburg

Hans-Joachim Böttcher

Gefangenschaft und Tod auf der Veste Coburg

In die Geschichte eingegangen ist Prinzessin Anna von Sachsen (1567-1613) infolge eines mysteriösen Ehebruches mit dem geheimnisvollen Grafen Scottus sowie dem Höfling Lichtenstein, wie auch auf Grund ihres daraufhin erfolgenden berührenden Leidensweges. Nachdem sich ihr Gemahl Herzog Johann Casimir von Sachsen-Coburg 1593 von ihr getrennt hatte, hielt er sie erst Jahre in Eisenach und dann im ehemaligen Kloster Sonnefeld inhaftiert.

Am 3. Mai 1603 erfolgte Annas Verlegung in die Veste Coburg, welche ihre letzte Lebensstation sein sollte. Herzog Johann Casimir konnte sich nun für ihre Bewachung die Kosten einsparen. Denn, da in dem großen Komplex auch noch andere Staatsgefangene eingekerkert waren, stand von vornherein Personal bereit, um auch Anna mit beaufsichtigen zu lassen. Ein Entkommen oder eine Befreiung war hier so gut wie aussichtslos.

In einem der Gebäudetrakte wurde zu jener Zeit der bürgerliche ehemalige Kammerrat Nicolaus Zech in Arrest gehalten. Als ein sehr geschäftstüchtiger sowie intelligenter Mann war er jahrelang einer der einflussreichsten Männer des Landes und einer der Vertrauten des Herzogs gewesen. Im April 1603 hatte man ihm, in einer Intrige des Hofadels, einen acht Jahre alten Brief Zechs zugespielt. Darin wurde Johann Casimirs Vater in etwas respektloser, aber dennoch harmloser Weise als „alten Ächter“ [alter Geächteter] bezeichnet. Da es seinen von ihm zutiefst verehrten Vater betraf, dem er in jeglicher Hinsicht völlig kritiklos gegenüber stand, war der Herzog mehr als gekränkt. Sofort ließ er in seiner manisch rachsüchtigen Art den hochverdienten Zech wegen „Schmähung einer fürstlichen Person“ in Festungsarrest nehmen. Zudem warf er ihm, der schon zwei Jahre außer Amtes war, nun plötzlich noch angebliche Verletzungen vergangener Dienstpflichten vor.

In einem im Juli ergangenem Gerichtsurteil des Schöppenstuhls wurde Zech im Wesentlichen freigesprochen und nicht, wie vom Herzog gewünscht zu Folter und Tod verurteilt. Unzufrieden mit dem Urteil behielt ihn der Herzog trotzdem rechtswidrig weiter in Haft. Im Laufe der Gefangenschaft hatte sich zwischen Wachtmeister Zollner und Zech ein vertrautes Verhältnis entwickelt. So hatte der ihm sofort von seiner neuen Mitgefangenen auf der Veste berichtet. Zech wusste über ihre illegale Lage, also, dass deren Gefangenschaft reichsrechtlich absolut nicht zulässig war, Bescheid. Über Zollner, der als Nachrichtenübermittler diente, ließ Zech in der Folge nun Anna verschiedene Nachrichten zukommen und weckte in ihr neue Hoffnungen auf Befreiung. Was er im eigentlichen Sinn damit bezweckte ist unklar. So ließ er ihr unter anderem mitteilen, dass der über ihr Schicksal unterrichtete Erzherzog Maximilian von Österreich sich ihrer annehmen und sie dadurch bald in Freiheit gelangen würde.

Ob Zech darüber wirklich Informationen vorlagen ist sehr unwahrscheinlich. Eher ist zu vermuten, dass er durch diese Äußerungen das schlichte Gemüt Zollners beeindrucken und ihn zur Unterstützung seiner eigenen Flucht gewinnen wollte.

Die neue Hoffnung schöpfende Anna schenkte jedenfalls daraufhin dem Wachtmeister sowie Zech ihr Vertrauen und ließ sich auf Gespräche mit ihnen ein. Dazu trug bei, dass ersterer ihr versprach Papier sowie Tinte zu verschaffen, so dass sie an ihre Verwandten und Freunde schreiben könne. Auch versprach er, sich dann um die sichere Bestellung der Briefe zu kümmern.

Auf der Veste war es so, wie überall in den Coburger Landen, dass der Herzog natürlich hier ebenfalls ein Spitzelsystem installiert hatte. So kam ihm schnell zu Gehör, dass zwischen Zollner, Zech sowie Anna ein intensiver Kontakt zustande gekommen war. Daraufhin leitete er sofort gegen alle eine strenge Untersuchung durch eine extra berufene Kommission ein. Für die schwer geprüfte Anna war das die schwierigste Zeit, voller seelischer Erregungen über die Richtigkeit ihres Handelns, seit der Untersuchung gegen sie 10 Jahre zuvor wegen Ehebruchs.

Schon auf Grund ihrer ganzen Erziehung und ihres Charakters vermochte Anna überhaupt nicht zu lügen. Aber sie verstand es eben auch nicht, einfach gegen die sie befragenden Herren zu schweigen. Oder erhoffte sie etwas einfältig als Gegengabe für ihre Aussagebereitschaft eine Milderung ihrer Haft durch den Herzog? Für Zollner hatte die ganze Geschichte die Konsequenz, dass er wegen Treubruches gegen den Herzog und insbesondere, da er zugesagt hatte die Tore für Annas Befreier offen zu halten, zum Tod durch das Schwert verurteilt wurde. Die Verwicklung von Zech in diese insgesamt mehr als merkwürdige Affäre kam dem Herzog sehr gelegen. Um doch noch dessen Verurteilung zum Tod zu erreichen, wandte er sich nun, dabei unrechtmäßig das erste Gerichtsurteil unterschlagend, an die Marburger Juristenfakultät und bat um eine Urteilsverkündung. Nach deren am 17. November 1603 ergangenem Entscheid sollte Zech am Pranger stehen, die Schwurfinger abgehackt, ausgepeitscht und dann freigelassen werden. Da Johann Casimir jedoch sodann von Zech Geheimnisverrat befürchtete, wurde auch das Urteil von ihm nicht akzeptiert. Unrechtmäßig behielt er ihn weiter in strengster, unmenschlicher Festungshaft. Schon jahrelang schwer krank, dem unendlichen Hass des Herzogs ausgeliefert, der ihm jeglichen ärztlichen Beistand verweigerte, verschied Nicolaus Zech am 2. Februar 1607.

Nach diesem so furchtbar endenden, mehr als eigenartigen Fluchtplandesaster brach Anna seelisch zusammen. Ihre Hoffnung, noch einmal mit Hilfe ihrer Verwandten oder durch einen Gnadenakt ihres ehemaligen Gemahls in Freiheit zu gelangen erstarb. Resignierend widmete sie sich, schon exzessiv anmutend, dem Studium der Bibel, geistlichen Büchern, erbaulichen Andachtsstunden und dem Gespräch über religiöse Fragen mit ihrem Personal. Daneben durfte sie zweimal wöchentlich der ihr als Beichtvater zugeordnete Diakon Johannes Altenburg besuchen, um sie in Predigten sowie Belehrungen tröstend dahin zu führen, sich in Gottergebenheit mit dem ihr auf erlegtem Schicksal abzufinden.

Diese Fügung in ihr Los ging bei Anna mit einem zunehmenden körperlichen und wohl ebenfalls geistigen Verfall einher. Der ließ aus der eigentlich noch jungen, eine alte, zusehends kranke, gebrechliche Frau werden. Für sie gab es als einzigen Trost nur den ihr beistehenden Geistlichen sowie das um sie sorgende, treue Personal. Dabei handelte es sich vorrangig um ihre Kammerfrau, die Witwe Agnes Kestner und deren Tochter, der Küchenmagd Ursula Dressel sowie auch den neuen Wächter Claus Enter mit seiner Frau. Sie alle kümmerten sich mit großer Anteilnahme, in liebevoller Fürsorge um Anna, indem sie dadurch ihr hartes Los ein weniger abzumildern versuchten.

In Anerkennung von deren aufopfernden, in großer Geduld geleisteten Arbeit, sicher jedoch auch, da sie sich gesundheitlich sehr schlecht fühlte und annahm, dass ihr Ende nicht mehr fern sei, verfasste Anna am Heiligabend 1607 ein Testament. Ihre gesamte geringe Habe sowie dazu noch Geldgeschenke zusagend vermachte sie den wenigen Personen, die sich um sie kümmerten und irgendwie nahe standen. Dabei dachte sie selbst an die Frau ihres Beichtvaters sowie dessen vier Kinder. An Johann Casimir appellierte sie mehrmals, ihm offenbar überhaupt nicht trauend, ihr Testament anzuerkennen und zu vollstrecken, noch dazu, da die finanziellen Zuwendungen unter den ihr zustehenden jährlich Zinsen ihres Heiratsgutes lagen. Ihre Sorge galt allerdings auch ihrer Beisetzung, so dass sie bat, dass diese „fürstlich und ehrlich …von wegen meines lieben Herrn Vaters“ erfolgen möge.

Neben der sie liebevoll betreuenden Kestnerin, war besonders der Beichtvater Altenburg für Anna zunehmend eine große seelische Stütze, ja wurde zu ihrem väterlichen Freund. Jedoch nicht nur durch geistliche Sprüche versuchte er Anna beizustehen und ihre Betrübnis ein wenig zu verscheuchen. Die strengen Weisungen des Herzogs geschickt umgehend, nahm er zunehmend sein ältestes Töchterlein Christiane Susanne mit in die Veste, was der Wächter Enter großzügig übersah. Mit ihrem kindlich, fröhlichem Wesen vermochte das unbefangene Kind den Gebetsstunden einen doch optimistischeren Beiklang zu geben und Anna wohl auch für kurze Zeit dementsprechend zu motivieren. Daneben hatte sie natürlich täglich ebenfalls die kleine, achtjährige Lisa Kestner, die Tochter ihrer Kammerfrau um sich, die sie oft mit ihren kindlichen Spielen zu erheitern vermochte und so seelisch ein wenig stärkte.

Aber das waren dann schon die einzigen Sonnenstrahlen im Leben der Gefangenen, in ihren letzten Jahren.

Ob Anna im März 1609 noch einmal Lebensmut fasste und hoffte die Freiheit doch noch zu erlangen, wurde nicht überliefert. Der Grund dafür könnte die Reise gewesen sein, die der Herzog zu jener Zeit mit seiner Gemahlin nach Dresden unternahm. Man kann annehmen, dass der an und für sich gutmütige Kurfürst Christian II. sich durch vorsichtiges Zureden bestimmt bei Johann Casimir und seiner Gemahlin für seine Tante einsetzte, um zumindest ihr Los ein wenig zu erleichtern. Diese Bemühungen scheiterten jedoch wieder an der unversöhnlichen Haltung Johann Casimirs; Annas Schicksal war von ihm starrköpfig und unabänderlich festgelegt worden.

Seit Anfang 1609 hatte sich der Gesundheitszustand der Inhaftierten weiter verschlechtert. Zusehends immer schwächer werdend, stieg sie nur noch sehr selten, manchmal im Abstand mehrerer Woche, die Treppen zu dem über ihren Räumen befindlichen Dachboden hinauf. Auf Grund von dessen Größe hatte sie dort etwas mehr Bewegungsfreiheit. Der stetig über den Zustand der Gefangenen informierte Herzog wies ihr schließlich Dr. David Michael Schoen als Leibarzt zu. Nach seiner Diagnose hatten bei Anna die jahrelange Bewegungsarmut, der ständige Aufenthalt in geschlossenen Räumen sowie die erlittenen seelischen Erschütterungen eine schwerwiegende körperliche Erkrankung, in Verbindung mit einer psychischen Schädigung, ausgelöst.

Sicher trug zu letzterem Zustand auch Annas schon als exzessiv zu betrachtendes Studium religiöser Bücher und die Auseinandersetzung mit deren Fragen, auf der Suche nach dem Sinn ihres Schicksals sowie nach Trost, bei. So hatte sie bis zu jenem Jahr allein die seit 1589 in ihrem Besitz befindliche Bibel 24-mal durchgelesen. Noch öfter wird sie ihre weiteren elf Schriften studiert haben. Dabei handelte es sich fast ausschließlich um Postillen und Gebetsbücher, einen Kirchenkalender und „Schoppners Sterbekunst“.

Wenngleich Anna die Anweisungen ihres Arztes willig befolgte, so geschah das doch nur, um dem pflichtbewussten, besorgten Mann seine Aufgabe nicht zu erschweren. Sie selbst äußerte dagegen zunehmend immer öfter zu ihrem Umfeld: „ich begehre nichts mehr, denn aufgelöst zu werden“, oder auch: „ach, wäre ich doch bei meinem lieben Herrn Vater selig“.

Gegen Ende des Jahres 1610 verschlechterte sich der Zustand Annas durch eine Erkrankung weiter. Glaubend, dass nun ihr Ende kommt, fügte sie am 7. Januar 1611 ihrem bisherigen Testament einen Anhang mit einer weiteren Gabenverteilung bei.

Trotz ihrer Erholung hatte sich Anna seelisch schon soweit auf den Tod vorbereitet, dass sie sich in der Folge geistig nur noch damit beschäftigte. Nicht nur sie, sondern auch der Herzog setzte sich mit dieser Frage auf Grund eines Berichtes von Dr. Schoen, dass unvorhergesehene Umstände Annas Tod beschleunigen könnten, auseinander. In dieser Angelegenheit suchte er merkwürdiger Weise nun mit der sächsischen Kurfamilie eine einvernehmliche Lösung. Am 1. August 1611 einigten sich Beauftragte aus Coburg mit solchen von Christian II. in Leipzig darauf, dass, nach „sich begebenden Fall“ , Anna in der Sonnefelder Kirche unter einem angemessenen Zeremoniell ihre letzte Ruhe finden solle.

Genau ein Jahr nach diesen Festlegungen erfasste Anna eine ungewöhnliche Gemütserregung, die niemand zu besänftigen in der Lage war. Ihr Arzt berichtete: „Die Herzogin hat in so großer Betrübnis und Herzeleid gelebet, also daß sie bisweilen in 3 auch wohl in 5 Tagen schier nichts gessen, nicht geschlafen, sondern Tag und Nacht mit Jammerklagen und Weinen zugebracht“. Nur mühsam ließ sich Anna bewegen, täglich ein bis zwei Mal einen Schluck sächsischen Gosebieres zu trinken. Da ein heimatliches Getränk, hatte sie dieses schon immer bevorzugt. Noch seltener gelang es dem Arzt und ihrem Personal sie zu überreden, feste Nahrung zu sich zu nehmen. Wenn schon, bestand diese nur in einem Stückchen Weißbrot.

Nach fünf Monaten des Lebens in dem Zustand erfasste Anna ein heftiges Fieber, das ihre letzten Körperkräfte schwächte. Ein Anfall am Sonntag, dem 17. Januar 1613, war dermaßen schlimm, dass alle nun mit ihrem Ende rechneten. Die ihr vom Arzt angebotenen Linderungsmittel wies sie mit der Bemerkung zurück, dass sie von Herzen zu sterben wünsche und wisse, dass der liebe Gott ihr diese Bitte nun bald gewähren werde. Die Fieberanfälle wiederholten sich in der Folge in immer kleineren Abständen, in verstärktem Maße. Weder während den Attacken, noch in den Zwischenpausen, die anfangs noch einige Tage betragen haben, verlor sie allerdings die Besinnung. Am 19. Januar war die Sterbende nicht mehr in der Lage, das Bett zu verlassen und drohte am Abend zu ersticken.

Im Gefühl ihres baldigen Todes, den sie als eine Erlösung von ihrer elenden Lebenssituation betrachtete, nahm sie drei Tage darauf von allen Menschen, welche sie in ihrer Gefangenschaft die letzte Zeit begleitet hatten, Abschied. Daraufhin bereitete sich in rührender Art auf ihr Ende vor. Am Folgetag, dem 23. Januar wies sie ihre Kammerfrau Kestner an, die Sachen schon auf den Tisch zu legen, mit denen sie beigesetzt werden wollte. Als der Arzt sie an jenem Tag fragte, wie es ihr gehe, antwortete sie: „wie Gott will, ich bin gar ein arm kranck mensch, und warte mit verlangen, wann mein lieber Gott kommt“. Und weiter: „Ich begehre nichts dann ein seeliges Ende, so komme ich zu meinen seeligen Eltern, Brüdern und Schwestern“. Großmütig, ohne jegliche Verbitterung, äußerte sie einen letzten Gruß an ihren ehemaligen Gemahl sowie ihre Verwandten.

Danach, schwere Fieberanfälle bekommend, die ihr am Folgetag bittere Qualen bereiteten, verfiel sie erschöpft in einen tiefen Schlaf. Wenn sie gelegentlich erwachte, so berichtete der Arzt, „ist sie allezeit bei gutem Verstande gewesen, gar christlich und herrlich gered und gebetet und mit Gottes getröstet, daß sie Alle, so um sie gewesen, vielmals weinen machen, da sie selbst kein Auge genetzet hat“. Der ebenfalls stets anwesende Altenburg schrieb, dass Anna mehrmals: „Ach in bin gar krank!“ oder ähnliches sagte. Da sie ihren baldigen Tod erhoffte, wollte sie wohl nur eine Bestätigung dafür haben, dass es bald soweit sei und nicht jedes Mal einen von ihrer Frage ablenkenden religiösen Spruch hören. So war sie auch befriedigt, als sie am 26. Januar zur Kestnerin meinte: „Gelt, es ist heut 8 Tag, daß ich bin schwer krank worden?“ und die darauf einsilbig nur mit „Ja“ antwortete.

An jenem Tag war es, als sie gegen 10 Uhr bemerkte: „Meine Augen sind gar dunkel“. Über diese gesundheitliche Veränderung besorgt, begannen ihr Arzt sowie der Pfarrer sich darüber leise in Latein auszutauschen. Sofort bemerkte die geistig noch rege Anna: „Ich fühle, daß ich nicht lange mehr lebe, also möget ihr umso mehr laut sprechen.“ Um 12 Uhr äußerte sie, dass sie gern Wermutwein trinken würde. Sofort bat Altenburg den Wächter, doch eine Flasche von seinem Wein aus Coburg zu holen. Gegen 2 Uhr traf diese endlich ein. „Es erhub sich [bei Anna] eine große Freude, ließ flugs in ihr klein Gläslein schenken. That etzliche Trünklein, wenig auf einmal, oft.“ … [Sie] „Befand sich wohl dabei, redete besser als zuvor, bald fiel sie in einen ruhigen Schlaf, bald richtete sie sich wieder auf. Ich fragte, ob noch Schmerzen vorhanden, sprach sie gar leise: Nein“.

In der auf diesen Tag folgenden Nacht wurden die benachbart ruhenden Herren Schoen sowie Altenburg gegen 1 Uhr, das war also der 27. Januar 1613, durch das wachende Personal Annas gerufen, sofort zu erscheinen. In Anwesenheit aller, die sie die letzten Jahre ihres Lebens begleitet hatten und nun vor ihrem Bett kniend unermüdlich beteten, verstarb Anna, Prinzessin von Sachsen, Herzogin zu Sachsen, gegen 2 Uhr 15 ohne jeglichen Todeskampf. Obwohl sie die Augen mit dem Einschlafen selbst geschlossen hatte, drückte ihr diese Altenburg noch einmal symbolisch mit Gebet sowie Kirchensegen zu.

Anna wurde damit nur 45 Jahre, 10 Wochen und wenige Tage alt, wovon die meisten ihrer acht Ehejahre keine Zeit des Glücks für sie waren, der sodann über 19 Jahre des Unglücks in der Gefangenschaft ihres ehemaligen Gemahls folgten. Für sie brachte der Tod die schon lange ersehnte Erlösung von all dem Übel ihres Lebens. Ausführlich beschrieben wurde dieses in der vom Dresdner Buchverlag 2016 herausgegebenen Biografie „Wenig und Bös war die Zeit meines Lebens – Anna von Sachsen (1567-1613) von Hans-Joachim Böttcher.

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Bildquellen:

Vorschaubild: Anna von Sachsen (um 1562). Kreidezeichnung von Jacques Le Boucq. Musée des Beaux-Arts, Arras, Urheber: Jacques Le Boucq via Wikimedia Commons gemeinfrei.

Die Veste Coburg auf einer Grafik von um 1903 (Sammlung Autor)

Johann Casimir 1597 porträtiert: Urheber: unbekannt via Wikimedia Commons gemeinfrei.

Der Eingang in die Veste: Urheber: Hans-Joachim Böttcher.

Annas Grab in der ehemaligen Klosterkirche Sonnefeld: Urheber: Hans-Joachim Böttcher.

Valentin maler, anna del sachsen, 1574: Urheber: I, Sailko via Wikimedia Commons CC BY-SA 3.0

Ein aus Annas Grab geborgener Ring (zwei Hände die ein Herz halten) von vor 1593 in der Kunstausstellung der Veste Coburg : Urheber: Hans-Joachim Böttcher.