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Eberhard Brecht

Zerstörte Lebenswelten
Juden in Quedlinburg 1933–1945

Eberhard Brecht schildert das Leben und Leiden von Juden in der Kleinstadt Quedlinburg vor und während der NS-Diktatur. Glaube und Rituale wurden gelebt, ohne dass sich die Juden der Stadt in einer Parallelgesellschaft bewegten. Im Gegenteil: Gläubige wie zum Protestantismus konvertierte Juden trugen maßgeblich zum gesellschaftlichen Leben der Stadt bei. Diese Integration löste sich nach 1933 mit der antisemitischen Propaganda, den Nürnberger Gesetzen und anderen Einschränkungen von persönlicher Freiheit sowie den Ausschreitungen gegen Juden und ihre Geschäfte, insbesondere in der Pogromnacht 1938, auf.

Papstgrab Clemens II.

Papstgrab Clemens II.

Werner Schwanfelder

Wo der deutsche Papst begraben ist

Wir sind Papst. Ein deutscher Papst auf dem Thron. Wenn drei sich streiten, freut sich der vierte. So hätte die Bild-Zeitung titeln können. Wir sprechen von Clemens II., dem Papst aus Bamberg. Dabei war er gar kein Bamberger.

Das muss genauer erklärt werden. Zunächst der Name: Suitger. Dann die Abstammung: Sohn des Grafen Konrad von Morsleben und Hornburg und von Amulrad, Tochter des Grafen von Erp. Daraus ist zu schließen: Er ist eher gebürtiger Sachse. Schließlich die Karriere: 1032 wurde er Kaplan des Erzbischofs Hermann von Hamburg-Bremen. 1035 Hofkaplan. König Heinrich III. ernannte ihn 1040 zum Bischof von Bamberg. In Bamberg fühlte er sich wohl. Er konnte sein Bamberg allerdings nicht sehr lange genießen.

Drei Päpste konkurrierten miteinander um die Macht in Rom. Da machte sich Kaiser Heinrich auf den Weg, um Recht zu sprechen. Den Bischof von Bamberg hatte er um Begleitung gebeten. Schon unterwegs wurden mehrere Synoden einberufen, in denen man schließlich die drei Päpste absetzte. Heinrich ließ sich in Rom offiziell zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches krönen. Und ebenfalls in Rom wurde am Heiligen Abend 1046 Suitger als Clemens II. von Volk und Kurie zum Papst gewählt. Bamberg ist Papst.

Er krempelte die Ärmel hoch und machte sich an die Arbeit. Mit Inbrunst verbot und verhinderte er den Kauf der geistlichen Ämter. Wie Jesus einst im Tempelhof kämpfte er gegen den Mammon.

Außerdem versuchte er, die weit verbreitete Priesterehe zu unterbinden. Das würde man heute wohl etwas anders sehen. Er verkörperte einen anderen Papst, einen neuen Typus, der deutsche Papst. Das Papstamt wurde abgekoppelt von den Interessen der römischen Adelsfamilien und eingebunden in die damalige Weltkirche. Kaiser und Papst standen gemeinsam an der Spitze des Abendlandes. Das passte manchen nicht. Schon neun Monate nach seinem Amtsantritt starb er im italienischen Kloster San Tommaso. Die Umstände sind bis heute ungeklärt und so manche Spekulation konnte sich entfalten. Keine lange Zeit war ihm für die notwendigen Reformen vergönnt. Doch die Historiker behaupten, er sei sehr erfolgreich gewesen. Sein letzter Wunsch wurde erfüllt. Er wollte im Bamberger Dom beerdigt werden. Sein Grabmal ist so schlicht, dass es gar nicht groß auffällt. Die Besucher bleiben eher am Grab des heiligen Kaisers Heinrich II. und seiner Gemahlin Kunigunde stehen, das – Riemenschneider sei Dank – prächtig auffällt.

Das Papstgrab wurde mehrmals geöffnet. So 1942, als man die sterblichen Überreste des Papstes aus Sicherheitsgründen entnahm und die Gebeine erst wieder 1947 beisetzte. Bei dieser Gelegenheit entnahm man auch das Ornat, das wahrscheinlich im Vorderen Orient hergestellt wurde, und stellte es im Diözesanmuseum aus. Das kostbare Gewand hat eine große Bedeutung für die Textilgeschichte des Mittelalters und gilt als sehr wertvoll. So hat Papst Clemens II., der bürgerliche Suitger, über sein menschliches Wirken hinaus sogar wissenschaftliche Bedeutung bewiesen.

Weitere Informationen

Papstgrab Clemens II.

im Westchor des Doms

Domplatz 5

96049 Bamberg


*****

Textquelle:

Schwanfelder, Werner: Bamberg: Die 99 besonderen Seiten der Stadt, Reiseführer, Halle (Saale): Mitteldeutscher Verlag, 2015.

Bildquelle:

Ebd.

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