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Kurt Wünsch

Wie ich Mitglied des Vereins zur Förderung der Vernunft wurde
Erzählungen

Geschichten und Bilder – natürlich hat Kurt Wünsch nicht selbst zum Pinsel gegriffen, sondern zwanzig hallesche Maler gebeten, eine Geschichte von ihm zu illustrieren. So entstand ganz nebenbei ein, natürlich vollkommen unvollständiges, Lexikon der halleschen bildenden Künstler. Von Wünschs erster Geschichte, 1958 in der Zeitung »Der Neue Weg« gedruckt, bis zu den Texten der unmittelbaren Gegenwart sammelt dieses Buch amüsante, skurrile und manchmal auch ein wenig surreale Geschichten, die sich genauso, also jedenfalls würde das ihr Verfasser stets behaupten, zugetragen haben.

Tafelberg Walberla

Tafelberg Walberla

Werner Rosenzweig

Der Berg der heiligen Walburga

„Ob Forchheim bei Kirchehrenbach, woll’n wir zu Berge steigen“, dichtete im 19. Jahrhundert Victor von Scheffel, einer der Entdecker der romantischen Fränkischen Schweiz. Gemeint ist die Ehrenbürg, ein Tafelberg im Landkreis Forchheim, unter den Einheimischen besser bekannt als das „Walberla“. Neben dem Staffelberg gilt die Ehrenbürg als weiterer „Heiliger Berg der Franken“. Eigentlich ist das Bergmassiv ja eine Doppelkuppe mit dem 532 Meter hohen Rodenstein und der 514 Meter hohen Ehrenbürg. Zwischen den beiden Felsgipfeln biegt sich das Bergplateau durch wie der Sattel eines Springreiters.

Bereits seit der Jungsteinzeit bis ins fünfte Jahrhundert n. Chr. war das Bergmassiv nachweislich besiedelt. Im vierten Jahrhundert v. Chr. lag hier nach Forschungen der Archäologen die bedeutendste Stadt Bayerns mit mehr als 6.000 Menschen, umgeben von einer Befestigungsanlage. Auch die Kelten waren hier heimisch. Schmuck und Gebrauchskeramik aus dem Mittelmeerraum zeugen von ihren weitreichenden Handelsbeziehungen. Auffällig ist die kleine Kapelle, die seit dem 17. Jahrhundert auf dem Plateau des Walberla steht und der Heiligen Walburga geweiht ist. Sie ersetzte einen Holzbau, der schon drei Jahrhunderte vorher hier oben errichtet wurde, denn das Walberla gilt schon immer als einer der mystischen Kraftorte Frankens und schon zu früheren Zeiten kamen Menschen hierher, um frei zugängliche Erdenergie in sich aufzunehmen. Das wollte die Kirche im düsteren Mittelalter unterbinden und ließ die hölzerne Kapelle errichten.

Dennoch blieb das Walberla ein mystischer Ort und schnell bildeten sich viele Sagen um das Bergmassiv. Böse Hexen und Dämonen sollen auf den Höhen ihr Unwesen getrieben haben. Gott sei Dank hat sich die Heilige Walburga des Berges angenommen und die Höllenbrut dort oben besiegt. Ja, sie hat das Gesindel sogar gezwungen, ihr beim Bau der Walpurgiskapelle zu helfen. Zum Dank dafür dürfen die Hexen und Dämonen noch einmal im Jahr ihr Unwesen auf dem Berg treiben. Das ist in der Nacht vom 30. April auf den 1. Mai. Als Dank und zu Ehren der Heiligen Walburga feiern die Menschen seitdem jedes Jahr am ersten Wochenende im Mai das Walpurgisfest auf dem Walberla. Es ist das älteste Frühjahrsfest Deutschlands. Zehntausende Ausflügler ziehen an diesen Tagen auf den Berg, um auf der Hochebene bei Bier, fränkischen Bratwürsten und sonstigen Spezialitäten den herrlichen Ausblick in das Wiesenttal und auf die umliegenden Ortschaften zu genießen, die sich wie die Perlen am Hals einer schönen Frau um das Bergmassiv ranken. Egal, ob von Kirchehrenbach, Dietzhof, Leutenbach, Schlaifhausen oder Wiesenthau, von allen Orten führen Wege auf das Walberla. Die schönste Jahreszeit dafür ist Ende April, Anfang Mai, zur Kirschblüte, denn die Fränkische Schweiz ist das größte Süßkirschenanbaugebiet Europas.


Weitere Informationen:

Tourismusverein „Rund ums Walberla“

www.walberla.de

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Text - und Bildquelle

Rosenzweig, Werner: Franken: Die 99 besonderen Orte der Region, Halle (Saale): Mitteldeutscher Verlag, 2018.

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